Die Crew auf fremden Planken. Zu Gast an Bord der "Shelter".

Dienstag, 21. Oktober 2014

Der Gürtel des Orion

20./21.10.2014 / Sejerø -  Spodsberg

Die Wetterlage bereitet unseren beiden Wetterexperten an Bord einiges Kopfzerbrechen.
Umgeben von Sturmtiefs suchen wir nach DEM Fenster,  mit heiler Haut und heilem Boot nach Heiligenhafen zu kommen. Egal,  worauf man sich einstellt (Starkwind oder Regen  oder ruhiges Wetter),  binnen Stunden ist es wieder anders.
Heute wurde beschlossen: wir nutzen ein günstig aussehendes Wetterfenster,  um nach Spodsberg zu kommen.  Über der Nordsee hängt ein Orkantief,  dass sich noch nicht ganz sicher ist,  ob es die Ostsee auch noch bespaßt oder nicht.
Auf der Wetterkarte mit den Windstärken sah das so aus (das in rot gehaltene Gebiet sind Windstärken bis 12 Beaufort! ):



Aber zuerst hieß es abwarten. Warten,  bis sich der Wind auf Sejerø soweit beruhigt,  dass wir schadlos aus dem Hafen kommen. Die Wetterprognose gab uns ziemlich deutlich eine Nachtfahrt vor,  Länge 80 sm, geschätzte Dauer 12 Stunden. Also ausruhen und ordentlich essen.
Um 21 Uhr war es soweit. Wir legten ab und Kenneth steuerte das Boot unter Motor aus dem Hafen und an der ersten Untiefe vorbei. Nachdem die Segel gesetzt waren und das Boot "lief",  begann die Aufgabenteilung. Geplant sollten Harry und ich den Hauptteil der 80 sm abwechselnd ans Steuer, während Ira und Kenneth sich um die Navigation kümmerten und uns die Steuerkurse zuarbeiten. Beim Segeln in der Nacht, unter Beachtung der offiziellen Verkehrswege,  der vielen dicken Pötte und dem Durchfahren der Brücke am großen Belt keine einfache Sache.
Um 22 Uhr ging ich in die Koje,  um Harry 4 Stunden später am Steuer abzulösen.
Segeln in der Nacht ist spektakulär. Es ist ganz gut machbar,  wenn man als Rudergänger zwei Navigatoren zur Seite hat,  die einem die Kurse und/oder Ansteuerungsziele vorgeben. Und es ist regelrecht romantisch,  wenn der Gürtel des Orion eine hell strahlende Ansteuerungsmarke für deinen 180°-Kurs ist.
Und trotzdem: Nachtsegeln ist nicht mein Ding. Die Orientierung zwischen blinkenden und blitzenden Tonnen, diversen Leuchtfeuern,  Positionslampen von großen Schiffen und kleinen Fischerbooten -  ohne dabei die ankommende Welle oder den Stand der Segel richtig zu sehen -  verlangt soviel Konzentration über lange Zeit,  dass mir das Segeln (oder auch motoren)  unter diesen Bedingungen keinen Spaß macht. Mein Sicherheitsbedürfnis ist dafür einfach zu hoch bzw.  meine Abenteuerlust nicht groß genug. Jedenfalls in einem so stark frequentierten Gebiet wie das große Belt. Ich genieße es, zu sehen, wohin ich steuere und was mich dabei umgibt -  ohne mich auf die Elektronik verlassen zu müssen. Aber egal,  wir mussten wetterbedingt da durch. Ira hat's gefreut, Kenneth hat's gern mitgemacht,  Harry und ich haben es überlebt :-)  Wir werden wohl nie Fans von langen(!)  Nachtfahrten.

Von zwei Wenden ordentlich durch die Koje gewürfelt wurden wir gegen 7:30 Uhr wach und pellten uns müde in die Segelsachen.  An Bord strahlte Ira mit der aufgehenden Sonne um die Wette (Nachtsegeln-Stimmungshoch)  und ein müder Kenneth sah wie ein sehr erleichterter Skipper aus. Das Wetter hat sich an die Prognose gehalten,  der Hafen Spodsberg liegt 5 sm voraus -  alles gut.
Nach einem zusammengewürfelten Frühstück war Ruhe an Bord. Alle krochen in die Kojen und holten den fehlenden Schlaf nach. Später ausgiebig duschen,  kochen,  den Abend genießen.




Wenn das Wetter so ruhig bleibt wie vorausgesagt, dann machen wir morgen noch einen Abstecher Richtung Kiel. Aber das wird morgen beim Frühstück entschieden.

1 Kommentar:

  1. oh danke fürs Mitmachen! ;)) Ja, der Stimmungshoch war es allermal - für mich könnte Ostsee in den Moment unendlich sein! ;)) einfach herrlich .... mmmm ;))

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